Im Grunde ist es ganz einfach: Ich bin als Teil einer Generation aufgewachsen, für die das Duzen vertrauten Personen vorbehalten war, also hauptsächlich dem Freundes- und Familienkreis. Fremde, Vorgesetzte, ältere Personen waren gefälligst höflich und respektvoll anzusprechen, und das bedeutete: mit „Sie“. Punkt.
Früher …
Ich weiß noch, wie viel Mut meine damalige beste Freundin und ich aufbringen mussten, um bei einem gemeinsamen Treffen zu fragen, ob wir die jeweils anderen Eltern duzen durften. Wir waren 11, unser beider Eltern hatten sich angefreundet und duzten sich. Natürlich duzten wir Kinder uns, und natürlich duzten alle vier Elternteile alle vier Kinder. Aber wir Kinder haben die nicht-eigenen Eltern gesiezt. War einfach so!
Wir also alles an Mumm eingesammelt, zu unseren vier gemeinsam am Tisch sitzenden Eltern gegangen und gefragt. Erste Reaktion: verblüfftes Schweigen. Dann die Zustimmung. Meine Güte, fühlte sich das Duzen anfangs seltsam an! Unvertraut und irgendwie verboten. Es hat eine ganze Zeit lang gedauert, bis es „normal“ wurde.
Jahre später sind wir in ein anderes Bundesland gezogen waren. Wenig später hatte ich mich mit einem Mädchen aus dem Dorf angefreundet, die stand kurz darauf zum ersten Mal vor unserer Tür. Wie der Zufall es wollte, haben meine Eltern ihr gemeinsam geöffnet – und beide gleichermaßen vollkommen irritiert aus der Wäsche geguckt, als dieses Mädchen sie sofort geduzt hat. Hätte es damals schon Smartphones gegeben, ich hätte ihre Gesichter fotografiert: Das Bild hätte mit Sicherheit irgendeinen Wettbewerb gewonnen. 😅 Die informelle Anrede war dort Standard. Wussten wir nur zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
… und heute
Heutzutage ist vieles anders: Der Umgang miteinander lockerer, die Hierarchien in Unternehmen flacher, Kommunikation oft persönlicher. Wenn alle Beteiligten damit einverstanden sind (für mich Grundvoraussetzung!), wird meist auch in Workshops, Seminaren und dergleichen geduzt. Immer wieder höre ich sogar von „Duz-Zwang“ in Unternehmen, weil das Management der Auffassung ist, man müsse „moderner“ und „lockerer“ um die Ecke kommen. Hmpf. Nun ja.
Für mich überraschend war außerdem die Erkenntnis, dass sehr junge Menschen es teilweise als unhöflich empfinden, wenn sie gesiezt werden: Das drücke zu viel Distanz aus, verstanden als den Unwillen, sich (persönlich, beruflich, wie auch immer) näherzukommen.
Was mich persönlich betrifft: Ich werde nicht gern ungefragt und von allen sofort geduzt und das auch noch mit der größten Selbstverständlichkeit. Das „Sie“ bedeutet für mich immer noch
- Respekt und
- Distanz.
Respekt erwarte ich mir gegenüber ebenso, wie ich ihn anderen Menschen entgegenbringe. Und ja, manchmal möchte ich auch eine gewisse Distanz wahren, danke sehr. Ich habe zum Beispiel kein gesteigertes Bedürfnis, als Kundin mit einem mir unbekannten Kellner oder einer Verkäuferin spontan persönliche Nähe aufzubauen.
Gibt es jedoch eine gemeinsame Basis, mag ich das Du sehr gerne: zum Beispiel bei einem Workshop, unter Lektorierenden, beim Austausch auf Social Media oder wenn man auf einer Feier im Freundeskreis neue Leute kennenlernt.
Was ist also besser für eine Website: du oder Sie?
Als ich mich an die Planung meiner Website machte, habe ich genau diese Frage auf Instagram gestellt:
Das Fazit: Es gibt kein Richtig und kein Falsch – oder anders ausgedrückt: Irgendwer findet es sowie falsch, egal wie man’s macht. Also mache ich es so, wie es sich für mich richtig anfühlt. 🤓
Heißt: Wenn jemand meine Internetseiten besucht, weiß ich ja weder, ob wir bereits eine gemeinsame Basis haben, noch, wie die Person zum Thema Anrede steht. Ich bleibe also erst einmal höflich-neutral, und für mich bedeutet das: Siezen.
Für mich: Machen Sie doch, wie du willst.
Fühlen Sie sich damit wohl, bleiben wir dabei. Möchtest du lieber duzen: Mach das bei deiner Anfrage an mich einfach. Noch nicht sicher? Auch okay, dann lernen wir uns erst mal besser kennen. 😀
Auf die Qualität unserer Zusammenarbeit hat unsere Anrede keinen Einfluss. Wichtig ist, dass wir uns miteinander wohlfühlen. Passen wir zusammen, geben wir ein gutes Team ab? Um das herauszufinden, gibt’s das Kennenlerngespräch: per Telefon oder Zoom, ca. 30 Minuten, kostenlos und unverbindlich.
Schreib mir oder rufen Sie mich an – ich freu mich auf dich, auf Sie und auf euch! 😁
E-Mail: nina(at)kleinkarismus.de
Telefon/WhatsApp: +49 177 3091645